Nachhaltig

Mehr aus dem machen, was es schon gibt

Die meisten von uns besitzen Dinge, die sie nur gelegentlich brauchen.

Eine Bohrmaschine für ein paar Löcher in der Wand. Ein Teppichreiniger für ein Wochenende. Eine Leiter, ein Hochdruckreiniger, ein Fliesenschneider oder eine Sackkarre, die kurz nützlich sind und dann monatelang — manchmal jahrelang — im Keller, in der Garage oder in der Abstellkammer stehen.

Gleichzeitig ist jemand in der Nähe vielleicht gerade dabei, genau dasselbe zu kaufen.

Leihnachbar beruht auf einer einfachen Idee:

Bevor du etwas neu kaufst, schau, ob es das schon in deiner Nachbarschaft gibt.

Wenn vorhandene Dinge leichter zu finden und zu teilen sind, werden sie öfter genutzt. Das vermeidet unnötige Käufe und macht mehr aus den Rohstoffen und der Energie, die schon in ihrer Herstellung stecken.

Weniger kaufen. Mehr nutzen.

Jedes neue Produkt hat einen ökologischen Fußabdruck, bevor es zum ersten Mal benutzt wird.

Rohstoffe müssen gewonnen und verarbeitet, Bauteile gefertigt werden. Produkte werden montiert, verpackt, transportiert, gelagert und schließlich geliefert oder abgeholt.

Das lohnt sich, wenn etwas häufig genutzt wird. Viele Werkzeuge und Geräte im Haushalt braucht man aber nur hin und wieder.

Wenn mehrere Haushalte dasselbe vorhandene Gerät nutzen können, muss nicht jeder Haushalt sein eigenes kaufen.

  • Eine Bohrmaschine kann mehr als einem Zuhause dienen.
  • Ein Teppichreiniger kann von vielen Familien genutzt werden.
  • Nicht jede Garage in derselben Straße braucht ihren eigenen Hochdruckreiniger.

Es geht nicht darum, dass niemand mehr etwas besitzt. Sondern darum, nichts zu kaufen, was kaum genutzt wird, wenn es gleich in der Nähe eine gute Alternative gibt.

Ein vorhandenes Gerät kann mehr leisten, bevor ein neues hergestellt werden muss.

Ungenutzte Dinge wieder in Gebrauch bringen

Städte sind voller nützlicher Dinge, die die meiste Zeit ungenutzt herumstehen.

Sie sind schon hergestellt.
Sie sind schon bezahlt.
Sie stehen schon irgendwo in der Nähe.

Was fehlt, ist der Zugang. Leihnachbar macht aus diesen ungenutzten Dingen lokale Ressourcen.

Statt gekauft, ein paar Mal benutzt und dann vergessen zu werden, kann ein Gerät zwischen Menschen weiterwandern, die es gerade brauchen. So bekommt etwas, das es schon gibt, ein längeres und nützlicheres Leben.

Effizienter zu konsumieren sieht weniger so aus:

  1. kaufen
  2. nutzen
  3. lagern
  4. ersetzen

und mehr so:

  1. nutzen
  2. teilen
  3. wieder nutzen
  4. pflegen
  5. weiter nutzen

Je öfter ein vorhandenes Produkt genutzt wird, desto mehr haben wir von den Rohstoffen und der Energie, die in seiner Herstellung stecken.

Teilen vor Ort macht den Unterschied

Ökologisch sinnvoll ist Teilen vor allem dann, wenn die Wege kurz bleiben. Wer weit fahren muss, um ein Gerät abzuholen und zurückzubringen, macht einen Teil des Vorteils schnell wieder zunichte.

Deshalb ist Leihnachbar auf Nachbarschaften ausgelegt. Das Ziel ist nicht, ein Werkzeug von einem Ende Deutschlands ans andere zu schicken — sondern dir zu helfen, eins in deiner Nähe zu finden.

Vielleicht liegt die Bohrmaschine, die du brauchst, drei Straßen weiter.
Vielleicht ist der Teppichreiniger im Nachbarviertel frei.
Vielleicht gehört die Leiter, die du für einen Nachmittag brauchst, jemandem zehn Minuten zu Fuß von dir.

Kurze Wege machen es leicht, Dinge zu Fuß, mit dem Rad, mit den Öffis oder auf einem Weg abzuholen, den du ohnehin machst. Und je mehr Menschen ihre Geräte einstellen, desto näher rückt das Angebot.

Mehr Angebot in der Nähe heißt kürzere Wege zwischen Menschen und den Dingen, die sie brauchen.

Das ist bequemer — und schont Ressourcen.

Nicht verschicken, was schon um die Ecke ist

Wer etwas neu kauft, bekommt oft mehr als nur das Produkt: Verkaufsverpackung, Füllmaterial, Versandkarton, Lagerhaltung und Paketzustellung.

Ein Gerät, das du bei jemandem in der Nähe mietest, ist schon da, wo es gebraucht wird. Es muss kein weiteres Exemplar hergestellt werden, nur weil noch jemand dasselbe Gerät für einen Tag oder ein Wochenende braucht. Und es muss nicht durch ein bundesweites Liefernetz reisen.

Wenn Mieten vor Ort einen Neukauf ersetzt, spart das auch die Verpackung und den Transport, die mit diesem Kauf verbunden gewesen wären.

Die kürzeste Lieferkette ist oft die, die schon in deiner Nachbarschaft liegt.

Nützliche Dinge im Umlauf halten

Recycling ist wichtig. Aber bevor ein Produkt recycelt werden muss, sollte es möglichst lange genutzt werden.

Teilen kann dazu beitragen, dass vorhandene Produkte länger nützlich bleiben — weil sie öfter genutzt, gewartet und gepflegt werden. Ein gut gepflegtes Werkzeug, das mehreren Haushalten dient, stiftet über seine Lebensdauer weit mehr Nutzen als ein identisches, das ein paar Mal benutzt und dann vergessen wird.

Deshalb kommt es auf den Umgang an. Klare Übergaben, Zustandsfotos und sorgfältiger Umgang mit gemieteten Geräten schützen die Dinge, die Menschen miteinander teilen.

Es geht also nicht nur darum, Produkte öfter zu nutzen. Sondern sie gut zu nutzen, richtig zu pflegen und so lange wie möglich brauchbar zu halten.

Weniger Kram zu Hause

Teilen hat auch eine ganz praktische Seite: Besitz braucht Platz.

Werkzeug, Reinigungs-, Umzugs- und Renovierungsgeräte füllen schnell Schränke, Keller und Garagen — obwohl man sie nur gelegentlich braucht.

Zugang ist manchmal nützlicher als Besitz. Wenn du etwas jederzeit in der Nähe findest, musst du es nicht dauerhaft zu Hause lagern. Das heißt: weniger selten genutzte Dinge, die Platz wegnehmen, und weniger Käufe „für alle Fälle“.

Nutze, was du brauchst, wenn du es brauchst — ohne alles selbst besitzen zu müssen.

Auch gut für Menschen

Hinter Leihnachbar steckt nicht nur ein ökologischer Gedanke. Es geht auch darum, nützliche Dinge leichter zugänglich zu machen.

Viele Produkte sind teuer in der Anschaffung, werden aber nur kurz gebraucht. Ein professionelles Elektrowerkzeug kostet schnell mehrere hundert Euro. Einen Teppichreiniger braucht man vielleicht ein- oder zweimal im Jahr. Eine Sackkarre ist oft nur für ein einziges Wochenende nützlich.

Kaufen kann ineffizient sein, auch wenn das Produkt selbst nützlich ist. Mieten ändert das: Statt für dauerhaften Besitz zahlst du für den Zugang — dann, wenn du etwas wirklich brauchst. So wird hochwertiges Gerät für mehr Menschen erreichbar, ohne den vollen Kaufpreis.

Man sollte nicht alles besitzen müssen, um es nutzen zu können.

Geld sparen bei Dingen, die du nur gelegentlich brauchst

Für Mieter ist der Vorteil einfach: Warum den vollen Kaufpreis für etwas zahlen, das du vielleicht nur einmal benutzt?

Mieten vor Ort gibt dir Zugang zu Geräten, ohne sie kaufen, lagern und dauerhaft instand halten zu müssen. Das lohnt sich besonders bei:

Je seltener du etwas brauchst, desto eher lohnt sich Zugang statt Besitz.

Mit Dingen verdienen, die du schon hast

Teilen schafft auch für Besitzer einen Wert. Ein Werkzeug, das ungenutzt im Keller liegt, nützt normalerweise niemandem. Über Leihnachbar kann es jemand anderem helfen — und dir gleichzeitig etwas einbringen.

  • Die eine Person bekommt Zugang, ohne zu kaufen.
  • Die andere verdient mit etwas, das sie schon besitzt.

Dasselbe Gerät wird für beide Seiten nützlicher. So funktioniert das Vermieten

Die Nachbarschaft nützlicher machen

In ganz München gibt es schon eine riesige Menge nützlicher Geräte. Das Problem: Niemand sieht sie.

Du hast vielleicht einen Hochdruckreiniger.
Jemand in der Nähe hat eine Leiter.
Und nebenan steht vielleicht der Teppichreiniger, den du nächstes Wochenende brauchst.

Leihnachbar macht diese Dinge sichtbar. So wird eine Nachbarschaft nützlicher, ohne dass mehr produziert oder mehr Stauraum geschaffen werden muss. Und es gibt einen ganz praktischen Anlass, Menschen in der Nähe zu begegnen.

Nicht aus jeder Miete wird eine Freundschaft. Aber jede gelungene Übergabe schafft eine kleine Verbindung vor Ort, die es sonst nicht gegeben hätte.

Nachhaltigkeit ohne Greenwashing

Wir glauben nicht, dass jede Miete automatisch nachhaltig ist. Entscheidend ist, was die Miete ersetzt.

Wenn das Mieten eines vorhandenen Geräts verhindert, dass ein weiteres gekauft wird, spart das Produktion, Verpackung und Vertrieb. Wenn das Gerät in der Nähe abgeholt wird, bleibt der Transportaufwand gering. Und wenn es gut behandelt wird und länger in Gebrauch bleibt, wird der Nutzen noch größer.

Deshalb setzen wir lieber auf konkretes Handeln als auf vage Umweltversprechen. Für Leihnachbar heißt Nachhaltigkeit:

  • Produkte nutzen, die es schon gibt
  • unnötige Käufe vermeiden
  • Wege kurz halten
  • Produkte gut pflegen
  • mehr Menschen Zugang geben, ohne dass mehr besessen werden muss

Wenn Leihnachbar wächst, wollen wir diese Effekte auch messen: wie oft eine Miete einen geplanten Kauf ersetzt hat, wie weit Menschen für Übergaben unterwegs sind und wie häufig geteilte Geräte tatsächlich genutzt werden.

Denn die beste Nachhaltigkeitsaussage ist kein Slogan.

Sondern etwas, das sich messen lässt.

Teilen ist das neue Kaufen

Die Dinge, die wir brauchen, sind oft schon um uns herum. Die Bohrmaschine gibt es schon. Die Leiter, den Teppichreiniger und die Sackkarre auch. Und wer sie braucht, wohnt vielleicht nur ein paar Straßen weiter.

Leihnachbar bringt beide zusammen: vorhandene Produkte besser nutzen, weniger unnötig kaufen und leichter an nützliche Geräte kommen, ohne alles selbst besitzen zu müssen.

Weniger unnötiger Besitz.
Mehr nützlicher Zugang.
Mehr aus dem machen, was es schon gibt.